Solid: Was wäre, wenn deine Daten dir gehören?

Solid: Was wäre, wenn deine Daten dir gehören?

Wer heute eine App nutzt, gibt seine Daten ab. Die Fitness-App speichert die Laufstrecken, die Krankenkasse die Rechnungen, das Impfportal die Impfdaten. Jeder Anbieter hält seine eigene Kopie. Wer umzieht, den Anbieter wechselt oder einfach nur wissen will, was wo über ihn gespeichert ist, steht vor einem Flickenteppich aus Logins, Exportfunktionen und PDFs.

Wer den Anbieter wechselt, steht vor einem Flickenteppich aus Logins, Exportfunktionen und PDFs. Solid dreht das um: Die Daten gehören von Anfang an dir.

Deine Daten, dein Speicher

Die Idee stammt von Tim Berners-Lee, dem Erfinder des World Wide Web. Solid ist eine offene Spezifikation mit einer einfachen Grundidee: Persönliche Daten werden nicht bei der App gespeichert, sondern in einem eigenen Datenspeicher, einem sogenannten Pod. Pod steht für Personal Online Data Store.

Eine App, die Solid unterstützt, fragt den Benutzer um Erlaubnis, auf bestimmte Daten im Pod zuzugreifen. Der Benutzer entscheidet, welche App welche Daten lesen oder schreiben darf. Die Kontrolle liegt beim Benutzer, nicht beim Anbieter.

Solid Pod Diagramm: Der Benutzer speichert seine Daten in einem persönlichen Pod. Apps fragen Zugriff an.

Wechselt der Benutzer die App, nimmt er seine Daten einfach mit. Der Pod bleibt, die App ist austauschbar.

Vom Impfbüchlein bis zu EatWise

Seit 2020 haben wir Solid in mehreren Projekten ausprobiert. Drei davon zeigen, wie das Konzept in der Praxis funktioniert.

ImmuSuisse: Eine mobile App, die das klassische Impfbüchlein ersetzt. Impfungen erfassen, nachschauen, wann die nächste Auffrischung fällig ist, das Heft immer dabei haben. Statt die Impfdaten auf einem Server der App zu speichern, landen sie im persönlichen Solid Pod des Benutzers. Die App greift auf den Pod zu, liest und schreibt Impfdaten, aber sie besitzt die Daten nicht.

Kellermeister: Eine Web-App für die Weinverwaltung: Vorräte erfassen, Lagerbestände im Blick behalten. Anderer Kontext, anderes Frontend, selbes Prinzip. Die Daten liegen im Solid Pod des Benutzers, nicht bei der App.

EatWise: Eine Web-App, mit der sich Restaurants bewerten lassen. Die Ratings können über Solid mit Freunden geteilt werden. Auch hier liegen die Daten im Pod, nicht bei der App.

Drei Plattformen, drei verschiedene Datentypen, dasselbe Muster: Die App greift auf den Pod zu, der Benutzer kontrolliert den Zugriff.

Warum das Thema in der Schweiz angekommen ist

Solid ist seit 2016 in Entwicklung und kein neues Konzept. Aber der Kontext hat sich verändert. In der Schweiz hat digitale Souveränität in den letzten Jahren deutlich an Gewicht gewonnen. Die E-ID basiert auf einem Self-Sovereign-Identity-Ansatz, der Bund setzt stärker auf Open Source, und die Strategie “Digitale Schweiz” macht digitale Unabhängigkeit zum Schwerpunkt.

Die Frage, wem Daten gehören und wer sie kontrolliert, ist nicht mehr nur ein Thema für Datenschützer. Es betrifft Gesundheitsdaten wie im Impfbüchlein-Beispiel, aber genauso Bankdaten, Versicherungspolicen oder Ausbildungsnachweise. Überall dort, wo persönliche Daten heute verstreut bei verschiedenen Anbietern liegen.

Solid passt in diesen Kontext. Es verfolgt ein konkretes Ziel: Menschen die Kontrolle über ihre Daten zurückgeben. Und es liefert dafür eine technische Grundlage, die über Absichtserklärungen hinausgeht.

Ein Ökosystem, das langsam wächst

Die Community rund um Solid ist aktiv. Es gibt einen offenen Community Solid Server zum Selbsthosten, seit 2024 liegt die Stewardship beim Open Data Institute. Die Spezifikation für Interoperabilität zwischen Apps und Pods wurde im September 2025 als Draft veröffentlicht.

Trotzdem: Das Ökosystem hat sich langsamer entwickelt, als viele gehofft haben. Es gibt wenige produktive Apps, die Solid Pods nutzen. Die Benutzererfahrung beim Einrichten eines Pods ist nicht mit dem vergleichbar, was man von etablierten Cloud-Diensten kennt. Und die Frage, wer Pods für Endbenutzer hosten soll, ist offen. Der Staat? Ein kommerzieller Anbieter? Der Benutzer selbst?

Diese Fragen sind lösbar, und sie werden aktiv diskutiert.

Die Idee stimmt

Solid beschäftigt uns seit Jahren. Nicht weil alles perfekt funktioniert, sondern weil die Grundidee richtig ist. Daten gehören dem Menschen, nicht der App. Die technische Umsetzung ist nicht trivial, aber Solid liefert einen konkreten Ansatz, wie das funktionieren kann. Wer dezentrale Datenhaltung in eigenen Projekten weiterdenken will, dem zeigen wir gerne, was wir bisher gebaut haben.

Wir erzählen gerne noch mehr!

Wer das Thema dezentrale Datenhaltung in regulierten Branchen weiterdenken will: wir beschäftigen uns seit Jahren mit Solid und tauschen uns gerne darüber aus.

Edwin Steiner Edwin Steiner +41 43 343 20 22